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Scope 3 Kategorie 6: CO2 von Meeting-Reisen messen

Scope 3 Kategorie 6 erfasst Geschäftsreisen. So erstellen Sie die CO2-Bilanz von Meetings, welche Daten Sie brauchen und wie Sie früh Emissionen senken.

Von Convien-TeamVeröffentlicht 6 Min. Lesezeit

Ein Personenzug fährt durch grüne Felder, von oben gesehen

Scope 3 Kategorie 6 des GHG Protocol erfasst die Emissionen von Geschäftsreisen in Verkehrsmitteln, die nicht Ihrem Unternehmen gehören: Flüge, Bahn, Bus, Mietwagen und private Pkw auf Dienstreisen. Bei Meetings und Veranstaltungen entscheidet eine einzige Wahl über den Großteil dieser Emissionen, nämlich der Ort, an dem man sich trifft. Die CO2-Bilanz eines Meetings ergibt sich daraus, wo die Teilnehmenden starten, wie sie reisen und wie weit. Senken lässt sie sich am besten, bevor das erste Ticket gebucht ist.

Dieser Leitfaden zeigt, was Kategorie 6 umfasst, welche Daten Sie brauchen, worin sich die distanzbasierte und die ausgabenbasierte Methode unterscheiden, wie Sie mit der zusätzlichen Klimawirkung von Flügen umgehen und wie wir die Reiseemissionen von Meetings im Meeting Place Finder berechnen.

Erst die Einsparung, dann der Bericht

Die meisten CO2-Bilanzen schauen zurück: Die Reisen sind gemacht, die Rechnungen liegen vor, jemand rechnet sie in Tonnen CO2 um. Bei Meetings ist das anders, denn die entscheidenden Fakten stehen Wochen vorher fest. Sie wissen, wer eingeladen ist, wo die Personen sitzen und wann das Meeting stattfinden soll. Damit lassen sich mögliche Orte vergleichen, bevor das Budget ausgegeben ist.

Wird der Ort datenbasiert gewählt, sinken Emissionen und Reisekosten gemeinsam. Mit dem Meeting Place Finder planen Unternehmen Meetings mit bis zu 42 % weniger CO2 und bis zu 35 % weniger Reisekosten. In unserer Fallstudie mit einem DAX-Konzern haben 219 Meetings mit 5.652 Teilnehmenden rund 1.170 t CO2 vermieden und über 1 Mio. € Reisekosten gespart. Pro Kopf gerechnet sind das geschätzt etwa 0,207 t CO2 und rund 188 € weniger.

Dieselbe Rechnung, die den besseren Ort findet, liefert auch die Zahlen für Ihren Scope-3-Bericht. Erst sparen, dann berichten, aus einem Datensatz.

Was Scope 3 Kategorie 6 umfasst

Die Technical Guidance for Calculating Scope 3 Emissions (öffnet in einem neuen Tab) des GHG Protocol beschreibt Kategorie 6 als Emissionen aus dem Transport von Beschäftigten für geschäftliche Zwecke in Fahrzeugen, die Dritte besitzen oder betreiben, etwa Flugzeuge, Züge, Busse und Pkw. Die Kategorie ist Teil des Corporate Value Chain (Scope 3) Standard (öffnet in einem neuen Tab). Emissionen aus Geschäftsreisen entstehen durch:

  • Flugreisen

  • Bahnreisen

  • Busreisen

  • Autofahrten, etwa mit Mietwagen oder privaten Pkw auf Dienstreisen (nicht auf dem Arbeitsweg)

  • andere Verkehrsmittel

Manches gehört woanders hin. Fahrzeuge, die Ihr Unternehmen besitzt oder kontrolliert, zählen zu Scope 1 (Kraftstoff) oder Scope 2 (Strom bei E-Fahrzeugen). Der Weg zwischen Wohnung und Büro ist Kategorie 7, Pendeln. Geleaste Fahrzeuge, die Ihr Unternehmen betreibt und die nicht schon in Scope 1 oder 2 stehen, fallen unter Kategorie 8. Hotelübernachtungen sind optional: Laut Guidance dürfen Unternehmen die Emissionen von Hotelaufenthalten auf Geschäftsreisen einbeziehen, müssen es aber nicht.

Kategorie 6 bezieht sich auf Ihre eigenen Beschäftigten. Kommen zu einer Veranstaltung auch Kundschaft, Partner oder externe Referierende, legen Sie fest, wie Sie deren Anreise behandeln, halten es in Ihrer Methodik fest und weisen die Zahl getrennt aus. So bleibt die Systemgrenze klar.

Diese Daten brauchen Sie für die CO2-Bilanz von Meetings

Für die distanzbasierte Methode verlangt das GHG Protocol die zurückgelegte Gesamtstrecke je Verkehrsmittel und, wo möglich, die Reiseländer und Fahrzeugtypen. Für ein einzelnes Meeting heißt das:

  • Startorte mit Personenzahl: wie viele Personen aus welcher Stadt, Postleitzahl oder von welchem Flughafen anreisen. Namen sind nicht nötig.

  • Tagungsort und Datum: Beides verändert Routen, Verbindungen und Verfügbarkeit.

  • Verkehrsmittel je Reise: Flug, Bahn, Bus oder Auto, inklusive Umstiege, denn ein Zwischenstopp bedeutet mehr Strecke und zusätzliche Starts.

  • Reiseklasse: Viele Berechnungsmethoden rechnen größeren Sitzplätzen mehr Emissionen zu.

  • Hotelnächte (optional): Wenn Sie sie einbeziehen, dann durchgängig.

Als typische Quellen nennt die Guidance Daten aus dem Reisebüro oder von Verkehrsunternehmen, Spesen- und Abrechnungssysteme sowie Befragungen der Beschäftigten. Fehlen Daten für einzelne Reisen, ist eine Hochrechnung aus einer repräsentativen Stichprobe zulässig. Für die Planung eines Meetings genügen schon die Startorte, um für jeden möglichen Ort realistische Reisen zu berechnen.

Distanzbasierte oder ausgabenbasierte Methode

Das GHG Protocol nennt für Geschäftsreisen drei Methoden:

  • Kraftstoffbasiert: der tatsächliche Kraftstoffverbrauch des Verkehrsunternehmens mal Emissionsfaktor. Genau, aber Reisende bekommen diese Daten selten.

  • Distanzbasiert: Strecke und Verkehrsmittel jeder Reise mal Emissionsfaktor pro Kilometer oder Personenkilometer.

  • Ausgabenbasiert: Ausgaben je Verkehrsmittel mal durchschnittlicher Emissionsfaktor pro Geldeinheit (umweltbezogene Input-Output-Faktoren).

Die ausgabenbasierte Methode ist schnell, wenn nur Buchhaltungsdaten vorliegen. Ihre Schwäche: Der Preis sagt nichts über Physik. Ein früh gebuchter Flug und derselbe Flug kurzfristig gebucht verursachen dieselben Emissionen, die ausgabenbasierte Methode zeigt aber ganz unterschiedliche Werte. Bei der Wahl eines Tagungsorts kann das in die Irre führen: Ein günstigeres Ticket wirkt dann klimafreundlicher, auch wenn es über eine längere Route führt.

Die distanzbasierte Methode bildet die Reise selbst ab. Sie reagiert auf das, was Sie tatsächlich ändern können, also Ort, Verkehrsmittel und Route, und macht mögliche Städte direkt vergleichbar. Nutzen Sie sie für Meetings und Veranstaltungen, wo immer die Startorte bekannt sind, und behalten Sie die ausgabenbasierte Methode als dokumentierte Rückfalloption für die übrigen Reisen.

Radiative Forcing: die zusätzliche Klimawirkung von Flügen

Flugzeuge erwärmen das Klima stärker, als ihr CO2 allein zeigt. In Reiseflughöhe entstehen durch Kondensstreifen und andere Emissionen zusätzliche Effekte, die eine reine CO2-Zahl nicht erfasst. Fachleute sprechen von Radiative Forcing. Das GHG Protocol überlässt den Umgang damit dem Unternehmen, verlangt aber Transparenz: Multiplikatoren oder andere Korrekturen für Radiative Forcing dürfen angewendet werden, und wer das tut, soll den verwendeten Faktor offenlegen.

Auch regulatorisch gewinnt das Thema an Gewicht. Laut Europäischer Kommission (öffnet in einem neuen Tab) müssen Fluggesellschaften seit dem 1. Januar 2025 die Nicht-CO2-Effekte ihrer Flüge überwachen. Für Ihren Bericht gilt: Entscheiden Sie sich für einen Ansatz, wenden Sie ihn jedes Jahr gleich an und benennen Sie ihn klar.

So berechnet Convien das CO2 von Meeting-Reisen

Der Meeting Place Finder geht von den Startorten und Personenzahlen aus und berechnet die Reisen zu jeder möglichen Stadt. Für Flüge nutzen wir echte Flugpläne und Tarife aus globalen Buchungssystemen. Bahn-, Bus- und Autoreisen kommen aus Routing-Diensten. Ihre Reiserichtlinie, Reiseklassen und verhandelten Tarife fließen ein, die Reisezeit zählt von Tür zu Tür.

Für das CO2 verwenden wir seit Ende 2020 Daten von atmosfair nach dem Standard des VDR (Verband Deutsches Reisemanagement), ausgerichtet am GHG Protocol, Scope 3 Kategorie 6. Die zusätzliche Klimawirkung von Flügen in großer Höhe weisen wir aus, so sehen Sie beide Werte. Jede mögliche Stadt wird nach Reisekosten, CO2 und Reisezeit in eine Rangfolge gebracht, und Sie können bis zu drei Termine vergleichen. Haben Sie bereits einen Wunschort, zeigt der Kosten- und CO2-Rechner, ohne Aufpreis enthalten, wie er im Vergleich zum optimalen Ort abschneidet.

Die Berichte richten sich an zwei Zielgruppen: ein Einsparungsbericht für den Einkauf, der den gewählten Ort mit dem Benchmark vergleicht, und CO2-Werte je Meeting für das Scope-3-Reporting Ihres Nachhaltigkeitsteams, exportiert als PDF oder CSV. Den vollständigen Ansatz finden Sie unter So funktioniert es, das Produkt unter Meeting Place Finder.

Tipps für das Reporting von Geschäftsreise-Emissionen aus Meetings

  1. Systemgrenze zuerst festlegen: nur Beschäftigte oder auch externe Teilnehmende, Hotels ja oder nein. Schriftlich festhalten.

  2. Eine Methode über die Jahre beibehalten: Wer von ausgabenbasiert auf distanzbasiert wechselt, rechnet das Basisjahr neu oder erklärt den Bruch.

  3. Umgang mit Radiative Forcing offenlegen: mit oder ohne, und bei Anwendung den Faktor.

  4. Planung und Ist trennen: Die Planungsschätzung leitet die Entscheidung, die gebuchten Daten gehen in die Bilanz. Nach dem Meeting beides abgleichen.

  5. Vermiedenes CO2 getrennt ausweisen: Der Vergleich mit einem Benchmark-Ort begründet eine Entscheidung. Ihre Bilanz zeigt, was tatsächlich ausgestoßen wurde, und diese Zahl ist bereits niedriger.

  6. Datenschutz wahren: Startorte und Personenzahlen genügen. In einer Datei zu Reiseemissionen muss kein Name stehen.

Hat Ihr Unternehmen Klimaziele, fließen diese Zahlen direkt dort ein. Den Zusammenhang erklären wir in SBTi-Ziele und Meeting-Reisen, was der neue CO2-Preis auf Kraftstoffe bedeutet, in ETS2 und Geschäftsreisen. Fachbegriffe finden Sie in unserem Glossar.

Häufige Fragen

Gehören Hotelübernachtungen zu Scope 3 Kategorie 6?

Optional. Das GHG Protocol erlaubt, Hotelnächte in Kategorie 6 einzubeziehen, schreibt es aber nicht vor. Wie auch immer Sie entscheiden: einheitlich anwenden und offenlegen.

Zählt die Anreise von Kundschaft und Gästen zu Kategorie 6?

Kategorie 6 umfasst die Reisen Ihrer eigenen Beschäftigten. Für externe Teilnehmende legen Sie eine eigene Regel fest, dokumentieren sie in der Methodik und weisen deren Reisen getrennt aus.

Welche Methode eignet sich für Meetings, distanz- oder ausgabenbasiert?

Die distanzbasierte. Sie bildet die tatsächliche Reise ab und reagiert auf Ort, Verkehrsmittel und Route. Ausgabenbasierte Werte folgen den Ticketpreisen, und die sagen wenig über Emissionen.

Muss ich Radiative Forcing einbeziehen?

Das GHG Protocol erlaubt Multiplikatoren oder andere Korrekturen für Radiative Forcing bei Flügen. Wenn Sie einen Faktor anwenden, legen Sie ihn offen. Entscheidend ist, dass Sie Jahr für Jahr gleich vorgehen.

Lässt sich das CO2 eines Meetings vor der Buchung messen?

Ja. Mit Startorten und Personenzahlen berechnen Sie die Reisen zu jedem möglichen Ort im Voraus, also genau dann, wenn sich das CO2 noch senken lässt.

Probieren Sie es an einem Ihrer eigenen Meetings aus: Kostenlosen Test anfragen (eine Veranstaltung mit bis zu 10 Teilnehmenden, 5 Städte, 1 Termin) oder Demo buchen, dann gehen wir Ihre nächste Veranstaltung gemeinsam durch.