SBTi-Ziele und Meeting-Reisen
SBTi und Geschäftsreisen: wie Klimaziele Reiseemissionen erfassen, warum der Meeting-Ort Scope 3 senkt, ohne Meetings abzusagen, und wie Sie messen.
Von Convien-TeamVeröffentlicht 5 Min. Lesezeit

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Hat Ihr Unternehmen wissenschaftsbasierte Klimaziele, gehören Geschäftsreisen zu Ihren Scope-3-Emissionen, genauer zu Kategorie 6 des GHG Protocol. Ob sie innerhalb der Zielgrenze liegen, hängt von der Größe Ihres Fußabdrucks und den SBTi-Kriterien ab, nach denen das Ziel gesetzt wurde. Sicher ist: Es ist eine Kategorie, die Ihr Unternehmen direkt steuert. Die üblichen Hebel sind weniger Reisen, Bahn statt Flug und eine bessere Reiserichtlinie. Der Meeting-Ort ist der Hebel, der Reiseemissionen senkt, ohne das Meeting abzusagen: Wer den Ort anhand der Startorte der Teilnehmenden wählt, erreicht bis zu 42 % weniger CO2 und bis zu 35 % weniger Reisekosten.
Dieser Beitrag zeigt, wo Geschäftsreisen in SBTi-Zielen nach dem aktuellen und dem neuen Standard stehen, wie Unternehmen sie üblicherweise angehen, warum der Tagungsort in Ihren Maßnahmenplan gehört und wie Sie Fortschritte messen.
Zuerst zählt, was das Meeting spart
Klimaziele lassen sich leichter erreichen, wenn sich die Maßnahme selbst bezahlt. Ein datenbasiert gewählter Meeting-Ort tut genau das. Er verkürzt Wege, verlagert Reisen vom Flugzeug auf die Bahn, wo die Geografie es zulässt, und senkt zugleich Ticketpreise und Reisezeit.
In unserer Fallstudie mit einem DAX-Konzern haben 219 Meetings mit 5.652 Teilnehmenden rund 1.170 t CO2 vermieden und über 1 Mio. € Reisekosten gespart. Geschätzt sind das etwa 0,207 t CO2 und rund 188 € pro Kopf. Der Einkauf sieht eine harte Einsparung, das Nachhaltigkeitsteam niedrigere Scope-3-Emissionen, und das Meeting findet trotzdem statt.
Wo Geschäftsreisen in einem SBTi-Ziel stehen
Die Science Based Targets initiative (SBTi) arbeitet mit den Scope-3-Kategorien 1 bis 14 des GHG Protocol. Geschäftsreisen sind Kategorie 6. Wie sie in ein Ziel eingehen, hängt von der Version des Standards ab.
Aktuelle Kriterien. Nach den Corporate Near-Term Criteria (öffnet in einem neuen Tab) der SBTi müssen Unternehmen, deren Scope-3-Emissionen mindestens 40 % ihrer gesamten Emissionen aus Scope 1, 2 und 3 ausmachen, kurzfristige Scope-3-Ziele setzen, die zusammen mindestens zwei Drittel (67 %) der Scope-3-Emissionen abdecken. Ob Geschäftsreisen in diesen zwei Dritteln liegen, hängt davon ab, wie groß die übrigen Kategorien sind.
Corporate Net-Zero Standard V2.0. Im Mai 2026 hat die SBTi einen überarbeiteten Standard verabschiedet. Laut Dokument zu den wesentlichen Änderungen (öffnet in einem neuen Tab) ersetzt V2.0 die festen Prozentschwellen durch einen Wesentlichkeitsansatz: Jede Scope-3-Kategorie, die mindestens 5 % der Emissionen aus den Kategorien 1 bis 14 ausmacht, muss abgedeckt sein. Begründete Ausnahmen sind nur in benannten Kategorien möglich (3, 7, 8, 9, 10 und 14), in denen Unternehmen kaum Einfluss haben. Kategorie 6 gehört nicht dazu. Kurzfristige Scope-3-Ziele sind für Unternehmen der Kategorie A verpflichtend (große Unternehmen sowie mittlere Unternehmen aus Ländern mit hohem Einkommen) und für Kategorie B optional. Eine deutsche Kurzfassung (öffnet in einem neuen Tab) stellt die SBTi ebenfalls bereit.
Zeitplan. Auf ihrer Net-Zero-Seite (öffnet in einem neuen Tab) nennt die SBTi folgende Daten: Validierungen nach V2.0 sind ab dem ersten Quartal 2027 möglich, die bisherige Version bleibt für neue Ziele bis zum 31. Januar 2028 verfügbar. Unternehmen mit bestehenden Zielen für 2030 sollen ihre nächsten Ziele ab 2028 nach V2.0 setzen.
Kurz gesagt: Machen Geschäftsreisen nach V2.0 mindestens 5 % Ihrer Emissionen aus den Kategorien 1 bis 14 aus, gehören sie in die Grenze Ihres kurzfristigen Ziels.
Wie Unternehmen Geschäftsreisen in ihren Klimazielen angehen
Die meisten Reiseprogramme kombinieren mehrere Hebel. Keiner ist neu, und jeder hat Grenzen:
Reiserichtlinie: Bahn auf kürzeren Strecken, Regeln für Reiseklassen, Freigaben für Langstrecken.
Weniger Reisen: einzelne Meetings per Video ersetzen und Reisen bündeln, wo es geht.
Daten der Anbieter: Fluggesellschaften, Bahnunternehmen und Travel Management Companies um Emissionsdaten je Reise bitten.
Messung: von ausgabenbasierten Schätzungen zu distanzbasierten Berechnungen wechseln, damit Reduktionen in den Zahlen sichtbar werden.
Ortswahl: entscheiden, wo Meetings und Veranstaltungen stattfinden, je nachdem, woher die Teilnehmenden anreisen.
Weniger Reisen senken Emissionen, doch manche Meetings funktionieren nur persönlich. Kick-offs, Verhandlungen und Team-Events schaffen einen Wert, den ein Videocall nicht ganz ersetzt. Mehr dazu in unserem Beitrag why in-person meetings still matter (Englisch). Genau hier setzt die Ortswahl an.
Der Meeting-Ort: der Hebel, der das Meeting erhält
Bei einem Meeting stehen Teilnehmende und Agenda fest. Der Ort dagegen wird oft aus Gewohnheit gewählt: die Zentrale, der Tagungsort vom letzten Jahr, die Heimatstadt der Organisation. Dabei entscheidet gerade der Ort, wie weit alle reisen und mit welchem Verkehrsmittel.
Nehmen wir als Beispiel ein Meeting mit 80 Teilnehmenden aus 6 Städten. Findet es in der Zentrale statt, müssen die beiden größten Gruppen vielleicht fliegen. Findet es in einer Stadt statt, die diese Gruppen per Direktzug erreichen, steigen die meisten auf die Bahn um, und die verbleibenden Flüge werden kürzer. Dieselben Menschen treffen sich aus demselben Grund. Nur die Reise ändert sich.
Der Meeting Place Finder rechnet diesen Vergleich für jede mögliche Stadt. Er bringt sie nach Reisekosten, CO2 und Reisezeit in eine Rangfolge, vergleicht bis zu drei Termine und zeigt die Reisedetails für jeden Abreiseort, damit das Ergebnis für alle Gruppen fair bleibt. Drei Ansichten (maximale Produktivität, minimales CO2, niedrigste Ticketkosten) machen die Abwägungen offen sichtbar. Steht ein Ort schon fest, vergleicht ihn der Kosten- und CO2-Rechner, ohne Aufpreis enthalten, mit dem optimalen Ort. Mehr zum Produkt: Meeting Place Finder.
Fortschritte bei Scope-3-Reiseemissionen messen
Eine Reduktion zählt nur, wenn sie in Ihrer Bilanz auftaucht. Mit diesen Schritten bleiben Meeting-Reisen messbar und vergleichbar:
Distanzbasiert rechnen: Die Methode bildet Ort, Verkehrsmittel und Route ab, so wird der Effekt eines besseren Orts sichtbar. Wir erklären sie in Scope 3 Kategorie 6: CO2 von Meeting-Reisen messen.
Methode stabil halten: jedes Jahr dieselben Emissionsdaten und derselbe Umgang mit Radiative Forcing, oder eine dokumentierte Neuberechnung des Basisjahrs.
Meetings als Gruppe verfolgen: gesamtes CO2 der Meeting-Reisen, CO2 pro teilnehmender Person und der Anteil der Meetings, die mit einer Standortanalyse geplant wurden.
Plan und Ist vergleichen: Die Planungsschätzung zeigt die Entscheidung, die gebuchten Reisen zeigen das Ergebnis.
Vermiedene Emissionen getrennt ausweisen: Die Differenz zu einem Benchmark-Ort begründet eine Entscheidung. Ihr Ziel wird an den tatsächlichen Emissionen gemessen, und die sind bereits niedriger.
Den Einkauf einbinden: Ein Einsparungsbericht mit dem gewählten Ort im Vergleich zum Benchmark macht den Kosteneffekt für alle sichtbar, die das Reisebudget verantworten.
Unsere CO2-Werte beruhen seit Ende 2020 auf Daten von atmosfair, folgen dem VDR-Standard und sind am GHG Protocol, Scope 3 Kategorie 6, ausgerichtet. Die zusätzliche Klimawirkung von Flügen in großer Höhe weisen wir aus. Ergebnisse lassen sich als PDF und CSV exportieren. Die Details finden Sie unter So funktioniert es.
Spielen CO2-Preise in Ihrer Planung ebenfalls eine Rolle, lesen Sie ETS2 und Geschäftsreisen.
Häufige Fragen
Verlangt die SBTi ein eigenes Ziel für Geschäftsreisen?
Nein. Die SBTi regelt, welche Scope-3-Emissionen ein Ziel abdecken muss, ein eigenes Reiseziel schreibt sie nicht vor. Nach V2.0 müssen Kategorien mit mindestens 5 % der Emissionen aus den Kategorien 1 bis 14 abgedeckt sein, und dazu können Geschäftsreisen gehören.
Welche SBTi-Version gilt für unser Unternehmen?
Die bisherigen Kriterien bleiben für neue Ziele bis zum 31. Januar 2028 verfügbar. Validierungen nach dem Corporate Net-Zero Standard V2.0 sind ab dem ersten Quartal 2027 möglich. Welche Version für Sie gilt, klären Ihr Nachhaltigkeitsteam oder die Unterlagen der SBTi.
Bedeuten weniger Meetings automatisch Fortschritt?
Weniger Reisen senken Emissionen, können aber Zusammenarbeit kosten. Ein besserer Ort senkt die Emissionen der Meetings, die Sie abhalten, ohne auf sie zu verzichten.
Lassen sich vermiedene Emissionen auf ein SBTi-Ziel anrechnen?
Ziele werden an Ihrer tatsächlichen Emissionsbilanz gemessen. Ein besserer Ort zeigt sich dort als niedrigere Reiseemissionen. Der Vergleich mit einem Benchmark-Ort hilft, die Entscheidung zu begründen, wird aber nicht gesondert abgezogen.
Wie schnell lässt sich der Effekt des Meeting-Orts messen?
Ab dem ersten Meeting. Mit Startorten und Personenzahlen sehen Sie CO2 und Kosten jeder möglichen Stadt, bevor jemand bucht.
Wenn Sie es ausprobieren möchten: Kostenlosen Test anfragen für eines Ihrer eigenen Meetings oder Demo buchen, dann sprechen wir gemeinsam über Ihre Klimaziele für Geschäftsreisen.
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